Almer Wallfahrt

Wallfahrt über das Steinerne Meer
(Salzburger Land und Berchtesgadener Land)

Jährlich am Samstag nach dem 24. 8., dem Bartholomäustag, findet die Wallfahrt von Maria Alm nach St. Bartholomä statt (28.08.04).
Frühmorgendlicher Ausgangspunkt ist das Riemannshaus.
Traditionell wird hier nach dem ca. dreistündigen Aufstieg von Maria Alm eine Bergmesse gefeiert.

Weiter geht es dann durch das Steinerne Meer in Richtung Funtensee.
Wenn die Felslandschaft übergeht in das Grün der Matten rund um den Almsee, ist die erste Etappe der insgesamt 32 Kilometer geschafft.
Hier beim Grenzstein zwischen Österreich und Deutschland, zwischen dem Pinzgau und dem Berchtesgadener Land hießen schon vor den "grenzenlosen" EU-Zeiten die Grenzpolizisten die Wallfahrer ohne Kontrolle
herzlich willkommen.
Vorbei am Naturschauspiel der Teufelsmühle geht es zum Kärlingerhaus am Funtensee.

Weiter dann im Zickzack die Kehren der Saugasse hinab bis zum Königssee
und St. Bartholomä.




Hier werden die Wallfahrer nach ca zehnstündigem (!) Marsch dank der Wieder- belebung einer alten Tradition seit einigen Jahren wieder von den Berchtesgadener Holzknechten am Eisbach (mit frischem Bier) erwartet.

Am Tag nach der Wallfahrt ist St. Bartholomä nach der Feldmesse Schauplatz des Kirchweihfestes, an dem auch die Almer Musikkapelle teilnimmt. Zum Abschluß der Wallfahrt hängen ihre Mitglieder noch heute einen Kranz an das Gedenkkreuz an der Felswand, wo vor 300 Jahren das Unglück passierte.

Anlaß zu dieser ältesten Gebirgswallfahrt Europas soll die im Jahre 1635 im benachbarten Salzburgischen wütende Pest gegeben haben. Am 23. August 1688 sind bei der Floßüberfahrt nach Königssee über 70 Personen ertrunken. Bis in die 20er Jahre wurde die Wallfahrt als gesellige Sache aufrechterhalten. Der vorläufige Niedergang kam mit den politischen Wirren und der Krise der Zwischenkriegszeit.
Außerdem gibt es Berichte, dass es ein “Rangeln” zwischen den Salzburgern und Bayern bei den Wallfahrten gab, was  oftmals in Raufereien überging.

Erst 1951 begann auf Initiative der Almer Musikkapelle und einiger überzeugter "Bartlmä-Geher" hüben und drüben wieder der Brauch der Wallfahrt nach St. Bartholomä.

In der Chronik der Musikkapelle Maria Alm hat  Andreas Gruber festgehalten, dass die Musik bei dieser Wallfahrt immer schon eine große Rolle gespielt hat: “Zitherspiel und Jodler begleiteten seit eh und je diese Wallfahrt, und so war es nicht verwunderlich, daß zu Ende des 19. Jahrhunderts, als überall im Land Blasmusikkapellen entstanden, die Musikkapelle Alm die musikalische Umrahmung übernahm. Bis 1626 begleitete regelmäßig die Almer Musik die Pilger übers Gebirge.”

Bis zu 2000 Wallfahrer ziehen jährlich über das Steinerne Meer.
Es handelt sich bei dieser beschwerlichen Wallfahrt über das Steinerne Meer schon allein wegen der großen Zahl an Pilgern um eine der bemerkenswertesten Hochgebirgswallfahrten. Es wird davon ausgegangen, dass es diese Wallfahrt zu religiös-kultischen Zwecken durchgeführte Pilgerwege schon lange vor 1600 gegeben hat. Höchstwahrscheinlich reichen diese christlich erneuerten Riten noch viel weiter zurück. Die Wunderquelle, aber auch der an der Grenze befindliche Berg Totes Weibl (2088m) und andere Flurnamen können in dieser Hinsicht wichtige Hinweise sein.

In früheren Jahren gab es auch eine Wallfahrt von Berchtesgaden nach Maria Alm zur dortigen Wallfahrtskirche. St. Bartholomäus am Königssee war dabei nur eine Zwischenstation zur Kirche unserer lieben Frau am Dürrnberg.


Quellen:
Königsseeportal
Hans Haid: Mythen in den Alpen