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Die Wilde Jagd vom Untersberg im Salzburger Land
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Hier finden Sie ein Video der Wilden Jagd im Salzburger Land)
Die Wilde Jagd vom Untersberg ("Das Wilde Gjoad") ist ein uralter Brauch im Untersbergraum im Salzburger Land. Im Advent
1949 wurde er in einer Neuform wiederbelebt und zählt seither zu den fixen Bestandteilen im Salzburger Brauchtumskalender.
In diesem uralten Brauch der "Wilden Jagd vom Untersberg
" verbindet sich christliches Brauchtum, heidnische Überlieferung und historische Wahrheit. Vermutlich geht das wilde Treiben auf keltische Rituale
zurück, die den Gott der Stürme und der kalten Winterwinde besänftigen sollten. Die Wilde Jagd war wie viele andere Bräuche lange Zeit verboten. Es drohten bittere Strafen bei Nichtbeachtung des Verbotes. Trotzdem wurde die Wilde Jagd vom Untersberg bis in unsere Zeit gut überliefert, allerdings änderte sich die Form des Brauches.
Aus diesem alten Volksglauben bildete sich ein eigener Vor-Raunachtsbrauch, der aber nie bis zur Stadt Salzburg vorgedrungen ist. Er entwickelte sich im Untersbergvorland allem im
Gebiet des ehemaligen Wildmooses, das heute nicht mehr existiert (ein übergebliebener Rest davon ist das heutige Leopoldskroner Moos).
An einem möglichst geheim gehaltenen Ort in der Untersberggegend taucht das "Wilde Gjoad" jährlich am Donnerstagzwischen dem zweiten und dritten Adventsonntag, also dem zweiten
Donnerstag im Advent, nach Einbruch der Dämmerung auf und führt den Umgang und Tanz durch. Ganz plötzlich taucht das "Wilde Gjoad" an einem entlegenen Ort auf und verschwindet
wieder in der Dunkelheit der Dezembernächte. Oft wissen die Hofbesitzer und Hausbewohner dieses Ortes nichts davon. In der heutigen Zeit muss das "Wilde Gjoad" allerdings bei der
Polizei gemeldet werden und einige Perchtenlauf-Regeln müssen berücksichtigt werden. Trotzdem ist der Ort bis auf wenige Male immer sehr geheim geblieben.
Die Wilde Jagd vom Untersberg in der Zeit vor 1900 Alte Salzburger Sagenbücher berichten ab und zu über Geschichten vom Wilden Jäger und der Wilden Jagd vom Untersberg
damalige Vorstellung der Wilden Jagd
brauste über die nächtlichen, winterlichen Wiesen und Wälder, vor allem durch das Sumpfgebiet in der Gegend zwischen Wals, Leopoldskron und Grödig. Es soll aus den gefallenen Kriegern, die immer wieder aufgeweckt worden sind, um weiterzukämpfen, bestanden haben. Auch spielen die ungetauft verstorbenen Kinder eine Rolle in der damaligen "
Wilden Gjoad"-Vorstellung.
Die heutige Durchführung Die Mitglieder des Vereins "Jung Alpenland" versammeln sich in einem entlegenen Gehöft nahe des
Durchführungsortes in ihren wild aussehenden Masken. Der Transport der benötigten Masken und Kostüme ist durch Fahrzeuge eine Erleichterung der Gegenwart. Es gibt zwölf Figuren in der
Wilden Jagd vom Untersberg, man braucht jedoch dreizehn Personen, da die Habergoaß aus zwei Personen besteht. Schwegler, Kraxenträger und Fackelträgerinnen
begleiten diese zwölf Figuren.
Die Figuren der Wilden Jagd vom Untersberg sind nicht zufällig zwölf Personen: Die zwölf Nächte zwischen dem Thomastag am 21. Dezember
und dem Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Jänner spielten eine große Rolle im Volksglauben. Diese zwölf Nächte werden Raunächte
genannt. Diese Zeit galt früher als die finsterste Zeit des Jahres, die voller Geheimnisse, Zaubereien und Weissagungen war. Die zwölf Gestalten bilden zusammen ein sehr mystisches Bild
, das im flackernden Schein der Fackeln ziemlich unheimlich wirkt. Dumpfe Trommelschläge und der schrille Klang von Flöten oder Klarinetten verstärken diesen gespenstischen Eindruck.
Die Schar zieht nun lärmend und polternd in die dunkle Nacht
hinein, erhellt von Fackeln, die meistens von Mädchen getragen werden. Ähnlich wie beim Kramperltreiben werden die Neugierigen, die vom Lärm angelockt werden, oft "verklopft" (vertrieben) und erschreckt.
Der Zug eilt auf den Wegen und Straßen dahin, zieht aber auch über die freien Felder. Vor einzelnen Bauernhäusern hält der Zug an und der Vorpercht, eine Figur der Wilden Jagd, ruft
den Spruch ins Haus: "Glück hinein, Unglück hinaus, es zieht das Wilde Gjoad ums Haus!" Dann folgt ein Rundtanz
der Figuren, begleitet von Trommelschlägen und Klarinettenklang. Zum Schluss dann liegt das Wilde Gjoad zur Reverenz flach auf dem Boden.
Nach uraltem Glauben
sollen mit diesem Lauf Fruchtbarkeit, Glück und Segen im Haus einziehen. Es ist ein so genannter "Rüge-Brauch", bei dem nicht verurteilt, sondern nur Nachschau gehalten wird.
Vom Verein "Jung Alpenland" werden bei der Gestaltung des Laufes fixe Regeln, die nicht geändert werden dürfen, eingehalten, um das "Wilde Gjoad" als Brauch erscheinen zu
lassen: 1. Durchführung des Laufes am zweiten Donnerstag im Advent und Geheimhaltung des Ortes 2. Festlegung und Beibehaltung der "Heiligen Zwölf"-Zahl bei den Maskenträgern
3. Geregelter Ablauf mit symbolhaften Handlungselementen 4. Verzicht auf Spendenbettlerei
Figuren der Wilden Jagd:
Vorpercht: Der Vorpercht mit dem Vorgeherstock ist der
Voranschreiter des Zuges und sagt auch den Spruch auf. Er ist dem Salzburger Perchtenkult entnommen.
Tod:
Der Tod ist zur Hauptfigur der Wilden Jagd vom Untersberg geworden und der eigentliche Anführer des Geisterzuges. Mit seinen Trommelschlägen hat er das Geschehen im Griff. Der Tod spielt auch in den Untersberg Sagen eine wichtige Rolle.
Rabe: Der Rabe vom Untersberg ist eine sehr mysteriöse Gestalt in der Untersberg-Sage. In dieser ist es seine Aufgabe, den im Untersberg schlafenden Kaiser Karl am Tag des Weltunterganges
zu wecken. Vermutlich ist mit diesem Kaiser Karl Kaiser Karl der Große gemeint. Es kommen aber auch noch die Kaiser Friedrich Barbarossa und Kaiser Karl V. in Frage.
Moosweiberl: Das
Moosweiberl ist eine typische Gestalt aus der Untersberg-Sage. Es zählt mit dem Baumpercht zu den Waldgeistern. Diese beiden Gestalten bilden den Übergang zu den Zwergen, die im Untersberg hausen,
während Moos- und Holzleute in den dem Untersberg vorgelagerten Wäldern und Mooren wohnen.
Baumpercht: Der Baumpercht oder Baumwercher zählt mit dem Moosweiberl zu den Waldgeistern.
Diese beiden Gestalten bilden den Übergang zu den Zwergen, die im Untersberg hausen, während Moos- und Holzleute in den dem Untersberg vorgelagerten Wäldern und Mooren wohnen.
Hahnengickerl
: Der Hahn gilt in der Volksmeinung als Symbol der Wachsamkeit und Fruchtbarkeit. Sein Schrei soll angeblich den Teufel und alles andere Böse verscheuchen und verkündet das Nahen der Sonne, das
Ende der Finsternis, das Morgengrauen und hiermit den Anbruch eines neuen Tages. Das Hahnengickerl wird zu den allgemeinen Sagengestalten des Flachgaues gezählt. In der Untersberg-Sage hatte es den
Anfang und Schluss jedes Zaubers anzukündigen.
Riese Abfalter: Der Riese Abfalter, der in einem Graben am Untersberg haust, zählt zu den typischen lokalen Sagengestalten. Er gilt als
gutmütig und menschenfreundlich und sprach als Vertreter seiner Schar friedlich mit den Bewohnern des Dorfes Grödig und ermahnte sie, ein frommes und ehrbares Leben zu führen.
Bär: Der
Bär steht für die Kraft und Tapferkeit. Auch wird die Kraft des Bären als Frühlingskraft gedeutet, die den Winter besiegt. Der Bär gilt aber auch als Symbol der Güte gegenüber dem Schwachen. Der
Bär wird in der Wilden Jagd vom Bärentreiber geführt und ist dem Salzburger Perchtenkult entnommen.
Bärentreiber: Der Bärentreiber, der dem Salzburger Perchtenkult entnommen wurde,
führt in der Wilden Jagd den Bären. Der Bär und Bärentreiber sind vom ausgehenden Mittelalter an auch die typischen Akteure auf Jahrmärkten und im Faschingstreiben.
Hexe: Die
Untersberger Hexe wird als Nachfahrin der Untersberger Wildfrauen bezeichnet. Die Untersberger Hexe der Wilden Jagd ist sehr hässlich. Der Unterschied zu den Wildfrauen vom Untersberg ist jedoch der,
dass die Wildfrauen immer nur als lieblich, holdselig und überirdisch schön bezeichnet wurden.
Habergeiß: Die "Habergoaß" wird als allgemeine Sagengestalt des Flachgaues
beschrieben. Sie ist eine Spukgestalt und wird oft mit einem Ziegenkopf und einem dreibeinigen Vogelkörper dargestellt. Beim von der Brauchtumsgruppe "Jung Alpenland" dargestellten Zug der
Wilden Jagd bilden zwei Personen die Habergoaß. Der zweite Mann muss sich auf den anderen komplett verlassen, da er nichts sieht und hinter diesem unter der Rückendecke herschreitet.
Saurüssel: Der Saurüssel, eine Gestalt mit Schweinskopf, kommt aus den allgemeinen Sagengestalten des Flachgaues. Er steht für das Symbol des "heiligen Ebers der Raunachtszeit".
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