Lungauer Bräuche im Jahreskreis

Die Weihnachtszeit war füher und ist auch heute noch eine Zeit, in der Kultur und Brauchtum die Menschen besonders prägt. “Bereits in den ersten Jahren nach dem Krieg wurde zu Weihnachten der Brauch des “Anglöckelns” wieder eingeführt”, erzählt der Ruapenbauer Johann Schlitter aus Lintsching. Dabei taten sich Frauen und Männer aus der Gemeinde, vom Kirchenchor oder vom Roten Kreuz, zusammen und gingen singend von Haus zu Haus, um so die bevorstehende Geburt Jesu anzukündigen. Am Heiligen Abend wurde geräuchert. Der Bauer und der Knecht gingen mit der Räucherpfanne und glutenden Holzstückchen, Weihrauch und Kräutern vom “Weichbuschen”, der bereits am 15. August zu Maria Himmelfahrt in der Kirche geweiht wurde, und mit dem Weihwasserkessel durch Haus und Hof. Die anderen Dienstboten sowie die übrigen Familienmitglieder mussten während dessen in der Stube einen Rosenkranz beten. Zum Abschluss betete man gemeinsam drei Rosenkränze. Geräuchert wurde dann noch zu Silvester und am Vorabend des Heiligen-Dreikönigs-Tages. Am 28. Dezember fand das “Pisnang-Gehen” statt. Die Kinder aus den Dörfern gingen dabei bei den Tamsweger Kaufleuten hausieren, wünschten allen ein gutes neues Jahr und bekamen dafür Mandeln, Erdnüsse und andere Süßigkeiten, die besonders in der Nachkriegszeit sehr rar waren. Zu Ostern waren das Ratschen, da keine Glocken läuteten, mussten die Kinder mit Holzratschen durch den Ort gehen, das Anzünden des Osterfeuers und am Ostersonntag das “Weichgehen” unvergessliche Augenblicke. Beim “Weichgehen” wurden die Kinder vom Taufpaten bzw. Firmpaten zu einem guten Essen eingeladen und bekamen zusätzlich noch ein kleines Geschenk.
Auch zu Allerheiligen bekam jedes “Godnkind” den traditionellen Allerheiligenstruzen. Am 10. November, dem Vorabend von Martini, trieben die “Kasmandln” im Lungau ihr Unwesen. Kinder als Sennerinnen und Almgeister verkleidet, liefen mit Glocken und ausgehölten Rübenköpfen, in denen Lichter brannten, im Dorf herum und spielten so das Leben auf der Alm lustig nach.



Quelle: ...gib uns heute unser täglich Brot - Bauern in Salzburg von Josef A. Standl